Aktionismus im Angesicht des Grauens

Es ist nun 16:00 Uhr am 20. Dezember 2016 – ziemlich genau 20 Stunden nach einer wahnsinnigen Tat, in der der oder die Täter einen LKW in den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitschreidplatz gesteuert haben und dadurch mindestens 12 Personen tödlich und 48 Personen zum Teil schwer verletzten. Was auch immer die Hintergründe der Tat in Berlin gewesen sind, die Tat ist abscheulich und ist verachtenswert! Meine Gedanken sind bei den Opfern und Angehörigen.

Doch, sollte es ein Terror Anschlag gewesen sein, wonach es leider im Moment aussieht, sollten wir alle einen Schritt zurück treten und nicht mit der naheliegenden Reaktion „Wut“ und „Hass“ reagieren. Terror zielt auf die Reaktion der Taten ab und nicht auf die Tat selbst. Will heißen: bei dem Anschlag ging es nicht darum, 12 unschuldige Menschen zu töten, sondern um Hass, Wut, Angst in der Bevölkerung zu säen. Darum, politische Systeme zu stürzen und die Art und Weise wie wir leben, größtmöglich zu beeinflussen. Lasst den Terror nicht gewinnen, reagiert besonnen, haltet zusammen.

Schuld sind nicht „die Flüchtlinge“, schuld ist nicht „die Merkel“, schuld ist der Fahrer.

Nicht Angela Merkel ist Schuld an diesen Toten – nicht die Menschen, die Flüchtlinge in diesem Land willkommen geheißen haben und noch willkommen heißen, sind Schuld an diesen Toten – nicht die Flüchtlinge als Ganzes sind Schuld an diesen Toten. Nein! Es sind Terrororganisationen und einzelne grausame Täter, die Schuld sind an diesen Toten! Wer etwas anderes behauptet, möchte nur für sich eine einfache Lösung für ein kompliziertes Problem finden. Generalisierung und das Weiterschieben von Verantwortung bringt, gerade in der jetzigen Stunde, nichts und niemanden voran. Zumal weder der Täter noch die Hintergründe fest stehen.

Aber die, die versuchen, diese Tat nur wenige Stunden nachdem sie passiert ist, ohne an die Opfer zu denken oder gesicherte Erkenntnisse vorliegen, politisch auszuschlachten, sind verachtenswert und sind es nicht wert, zu versuchen, mit Ihnen in einen politischen Diskurs zu treten. Denn sie nutzen Vorfälle wie diese, genau wie die Terrororganisationen auch, um Angst und Hass zu verbreiten – und schlagen damit genau so Kapital aus der Situation.

Der Drang vieler, nur Stunden nach so einer Tat, bereits Reaktionen und Schuld fest zu legen, kotzt mich an. Darf man nicht erst einmal ermitteln, erfahren und erfassen, was passiert ist und DANN darüber reden, was die Schlussfolgerungen sind? Doch schon jetzt zerfrisst sich „das Volk“ (zumindest die 20%, die sich dafür halten) in Hass und Hetze und tun damit genau das, was angebliche Alternativen aber auch die Terroristen wollen. Der Blick in Kommentarzeilen und Reaktionen von einschlägigen Gruppierungen und Politikern machen mir weit mehr Angst als eine solche Tat. Denn da entlädt sich die ganze Einfältigkeit, der ganze Hass auf alles, was anders ist und einem vermeintlich gefährlich werden kann. Es werden voreilige Schlussfolgerungen gezogen und verallgemeinert. Die AfD schwimmt auf genau dieser Welle und bedient dieses Gedankengut sehr gut – genau so gut wie einst die NSDAP, die mit der selben Masche an die Macht kommen konnte. Daher ist es die Pflicht all derer, die an eine freie, offene, solidarische Welt glauben, aufzustehen und ein Zeichen zu setzen…

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