Die unterschiedlichen Seiten der Homöopathie

Inspiriert durch eine Diskussion die ich letztens hatte, habe ich mich wieder mal ein wenig mehr mit der Homöopathie beschäftigt. Mittlerweile habe ich schon einiges hierüber gelesen, finde aber nach wie vor sehr interessante Artikel und Quellen.

Nun weiß ich nicht recht wie ich diesen Artikel anfangen möchte, werfe dich also quasi ins kalte Wasser meines Gedanken-Ozeans (oder See/Pfütze – wie man’s nimmt). 😉

In Diskussionen begegne ich immer wieder der Aussage „aber es hat mir doch geholfen“. Dieser Satz wird als Quasi-Beweis für die Wirksamkeit der kleinen Zuckerkugeln (oder Tropfen) angeführt. „Es hat meiner Katze geholfen“ oder „es hat meiner Zimmerpflanze gut getan“ und „diese können doch nicht dem Placeboeffekt unterliegen“. Aber nun mal unter uns Gebetsschwestern: Ist das ein Beweis? Ist das wirklich ein GRUND wieso etwas wirksam ist? Oder sollte man nicht viel lieber etwas tiefer gehen, wissenschaftlicher arbeiten? Denn wenn wir bei einer solchen Logik in unserer Entwicklung stehengeblieben wären, würden wir auch heute noch lobotomieren oder Regentänze aufführen. In beiden Beispielen hat man sich hingesetzt und versucht die Zusammenhänge dahinter zu verstehen. Wenn man einen Indianer von damals gefragt hätte, würde er auch sagen „Regentänze haben bei uns immer funktioniert“… aber glauben wir heute noch daran? Nein, denn wir haben etwas das sich Meteorologie nennt und die Vorgänge in unserer Atmosphäre von ihren Ursache-Wirkung her erklären kann. Bei diesem Grundsatz sollte man auch bei der Homöopathie bleiben.

Der Grundsatz der Homöopathie ist die Verdünnung und damit Potenzierung des Wirkstoffes bis zu einer Verdünnung welche es mathematisch fast unmöglich macht, dass auch nur noch ein einziges Molekül des Wirkstoffes im späteren Produkt enthalten ist. Ein Prinzip was allem in unserer bisherigen Wissenschaft widerspricht. Für das die Homöopathen neben dem Verweis auf eine ominöse Energie welche über geht, auch keine Erklärung haben – zumindest keine Wissenschaftlich haltbare. Vielmehr wirft man mit pseudowissenschaftlichen und wichtig anmutenden Worten um sich – vermischt vielerlei Begriffe zu einem nichts sagenden Argumentationsbrei über die Biologen, Chemiker und Physiker nur lachen können. Dies kann man alleine dadurch schon entlarven indem man manche Begriffe bei Wikipedia oder Google eingibt und deren tatsächliche Bedeutung durchliest. Hierfür reichen schon Begriffe wie „Energie“. Denn es soll ja schließlich die „Energetische Essenz“ des Wirkstoffes in das Wasser übergehen. Schließlich werden Zuckerkugeln mit dem Wasser beträufelt und diese Essenz hierin hängen bleiben (nicht etwa mit dem Wasser verdunsten). Man spricht also von einem zwei- wenn nicht dreimaligen Energieübergang. Macht das Sinn? Denn Energie ist laut Wikipedia:


Energie ist nötig, um einen Körper zu beschleunigen oder um ihn entgegen einer Kraft zu bewegen, um eine Substanz zu erwärmen, um ein Gas zusammenzudrücken, um elektrischen Strom fließen zu lassen oder um elektromagnetische Wellen abzustrahlen. Pflanzen, Tiere und Menschen benötigen Energie, um leben zu können. Energie benötigt man auch für den Betrieb von Computersystemen, für Telekommunikation und für jegliche wirtschaftliche Produktion.

Energie kann in verschiedenen Energieformen vorkommen. Hierzu gehören beispielsweise potentielle Energie, kinetische Energie, chemische Energie oder thermische Energie.

homeopathy_full_of_crapVielmehr sollte man also von „Information“ sprechen welche über geht. Aber welche Information sollte das sein? Wenn dem so sei, so sollte man doch Veränderungen im Wasser oder Zucker feststellen können? Woher weiß die Information wohin sie wandern soll oder welche überschrieben werden soll? Alles soll demnach von alleine gehen… vollkommen ohne Beweis. Ausserdem gehen Homöopathen davon aus, dass nur ihre eigene „Information“ über geht. Wenn man der Logik schon folgt, müßte Wasser auch die Informationen von Millionen Jahren Fekalien und sonstiger Giftstoffe enthalten (siehe Bild). Aber nein, nur die hinein geschüttelte Information geht über Logisch?

Als zweites sollte man verstehen wie Homöopathen generell versuchen zu erklären wieso (ungeachtet es Prinzips des Informationsübergangs) Homöopathie funktioniert. Hierzu ein Auszug aus Wikipedia:

Die Homöopathie [ˌhomøopaˈtiː] (von altgriechisch ὅμοιος hómoios ‚gleich, gleichartig, ähnlich‘ sowie πάθος páthos ‚Leid, Schmerz, Affekt, Gefühl‘; wörtlich also „ähnliches Leiden“)[1] ist eine alternativmedizinische Behandlungsmethode, die auf den ab 1796 veröffentlichten Vorstellungen des deutschen Arztes Samuel Hahnemann beruht.

Ihre namensgebende und wichtigste Grundannahme ist das von Hahnemann formulierte Ähnlichkeitsprinzip: „Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden“ (similia similibus curentur, Hahnemann). Danach solle ein homöopathisches Arzneimittel so ausgewählt werden, dass die Inhaltsstoffe der Grundsubstanz unverdünnt an Gesunden ähnliche Krankheitserscheinungen (Symptome) hervorrufen könnten wie die, an denen der Kranke leidet, wobei auch der „gemüthliche und geistige Charakter“[2] des Patienten berücksichtigt werden solle. Hierzu wurden von Hahnemann und seinen Nachfolgern ausgedehnte Tabellen (Repertorien) erstellt, mit deren Hilfe der Homöopath den Patienten und seine Krankheitserscheinungen einem Arzneimittelbild zuordnen soll.

Zur Herstellung der homöopathischen Arzneimittel werden die Grundsubstanzen einer Potenzierung (Verdünnung) unterzogen, das heißt, sie werden wiederholt (meist im Verhältnis 1:10 oder 1:100) mit Wasser oder Ethanol verschüttelt oder mit Milchzucker verrieben. Die Verdünnung wurde zunächst wegen der Giftigkeit vieler der verwendeten Stoffe durchgeführt. Erst in einer späteren Phase verordnete Hahnemann Hochpotenzen. Hahnemann nahm an, dass durch das besondere Verfahren der Potenzierung oder „Dynamisierung“ eine „im innern Wesen der Arzneien verborgene, geistartige Kraft“[3] wirksam werde.[4] Zur Begründung der Hochpotenzen ging er davon aus, dass sich hier „die Materie […] roher Arznei-Substanzen […] zuletzt gänzlich in ihr individuelles geistartiges Wesen auflöse“.[5]

Ich empfehle jedem, der sich auch nur am Rande mit Homöopathie beschäftigt, den Wikipedia Artikel vollständig und ergebnisoffen zu lesen und mit seiner eigenen Realität und Gewissen ab zu gleichen!

Aber kurz gesagt: Hahnemann nahm an, dass etwas das unverdünnt ähnliche Krankheitssymptome hervorruft, in schwacher Form dazu dienen kann, entsprechende Krankheit zu heilen. Anfangs sprach man von einer Verdünnung die ihren Namen verdient – keine derartige Hochpotenzierung wie sie aktuell angewendet wird. Man nahm also bewusst Gifte zu sich. All das beruhte auf ähnliche wissenschaftliche Grundlagen wie das Anwenden von Amuletten bei Krankheiten etc. und nicht etwa auf moderne wissenschaftliche Methoden.

Sehenswert ist auf jeden Fall dieses Video vom „Herr der Maden“ Dr. Mark Beneke im Frühstücksfernsehen mit einem eindrucksvollen Selbstversuch – der eigentlich tödlich enden müßte:

Der Grund weswegen Homöopathie funktioniert ist nur ein einziger: Der Placeboeffekt. Allein der Glaube daran, dass etwas wirkt, hilft. Und das ist auch gut so! Nicht nur das. Es spielt sogar eine Rolle wer diese Medikamente verabreicht und ob dieser an dessen Wirksamkeit glaubt. Nicht umsonst werden in der Medizin und den wissenschaftlichen Studien DOPPELBLIND Studien gemacht – bei welchen weder der Arzt noch der Patient wissen ob gerade ein Wirkstoff oder ein Placebo verabreicht werden. Neuere Studien haben sogar gezeigt, dass es einen Unterschied macht wie groß eine Tablette ist und welche Farbe sie besitzt.

Was viele Leute nicht wissen, neben dem Placeboeffekt gibt es auch einen Noceboeffekt – er macht nicht Gesund sondern Krank! Hier ein Video von Quarks und Co zu diesem Thema.

Des Weiteren hilft ein „sich kümmern“ um einen Kranken Menschen immer mehr als nur das „man muss eben warten bis eine Grippe vorbei ist“. Allein das Kümmern, das liebevolle Verabreichen von Zuckerkügelchen, einem Tee, tröstende Worte, hilft einem Patienten schon. Deswegen allerdings dem Zucker eine Wirksamkeit, die noch in keiner einzigen ernstzunehmend und auf wissenschaftlichen Methoden beruhenden Studie, die mit einer nennenswerten und statistisch relevanten Anzahl an Personen durchgeführten Studie, bewiesen.

Warum bin ich gegen Homöopathie? Das hat vornehmlich drei Gründe (und ein kleiner Vierter):

1) Ernsthaft Kranke verlassen sich darauf

Teilweise vertrauen Menschen, die auf medizinische Hilfe angewiesen sind, ausschließlich auf diese Pseudeomedizin (nein, es ist keine „Alternativmedizin“!). Sie fallen auf Heiler herein die ihnen Wundermittel verkaufen die ihnen am Ende nicht helfen können. Auf diese Weise kann Homöopathie sehr wohl, trotz oder gerade wegen der fehlenden Wirkung, zum Schaden von Menschen führen. Und die Beispiele, dass das passiert, sind vielfältig!

2) Angst und Skepsis vor der Medizin wird geschürt

Die Medizin (es ist die einzige die wir haben; daher kein Zusatz wie „klassische“; wenn dann wäre der Zusatz „Wissenschaftlich belegte“ zutreffend) KANN nicht jeden heilen, sie hat Nebenwirkungen (denn alles, was wirkt, hat Nebenwirkungen!), und sie macht keine Heilsversprechen die nicht haltbar sind. Pharmaunternehmen sind zugegeben auch keine Wohltäter und Profit orientiert – aber sie müssen sich an strenge Arzneigesetze halten bis ein Arzneimittel zugelassen wird. Es MUSS ein BEWEIS vorgelegt werden, dass ein Mittel wirkt. Das, und die Tatsache das das saubere Bio-Weiße-Weste-Image der günstigen Zuckerkügelchen, unbefleckt ist, führt zu einer großen Skepsis der Medizin gegenüber. Ärzte werden nicht, oder zu spät aufgesucht. Impfungen (das ist noch mal ein gesondertes Thema) werden nicht verabreicht und und und…

3) Die Homöopathische Industrie ist ein Milliardengeschäft

Das allein wäre sicher kein Grund für mich. Aber der Umstand, dass immer gegen die klassische Pharmabrange gedroschen wird, und die homöopathische Industrie als klein und unschuldig dargestellt wird, ist grundlegend falsch! Die Homöopathische Industrie ist ein Milliardengeschäft! Und dank niedriger Produktionskosten, praktisch keiner Zulassungskosten, ein hoch profitables dazu! Unternehmen in diesem Markt hätten die Mittel umfangreiche korrekte medizinische Studien zu finanzieren (da das auch hin und wieder ein Argument ist, wieso es diese nicht gibt); wenn Homöopathie wirken würde, wären zudem die „klassischen“ Pharmakonzerne die ersten, die diesen Markt, ob der hohen Profitabilität, entern würden! Diese Industrie tut alles, um ihr vages Heilsversprechen, zu wahren und erlaubt weder Kritik noch Gegenargumente, gar Wissenschaft.

4) Kleiner Grund: Ich mag kein Hokuspokus und ich mag mir die Welt erklären können

Ich mag es nicht verarscht zu werden. Bei sehr vielen Dingen versuche ich mir die Hintergründe, zumindest Grob, zu verstehen. Wieso bringt etwas was? Wie bringt etwas was? Das mache ich nicht nur bei Medizin, sondern bei vielen Dingen des täglichen Lebens. Wenn ich es mir nicht erklären kann, versuche ich mir wenigstens kurz die Hintergründe grob drauf zu schaffen – wenn diese nicht eindeutig erkennbar sind. Klar kann man das nicht in jeder Detailtiefe tun … aber zumindest die großen Zusammenhänge und Wirkprinzipien sind meist in einige Sätzen zusammengefasst. Das ist bei Homöopathie nicht der Fall! Es widerspricht allem was man sich bzw. ich mir wissenschaftlich erklären kann! Meines Erachtens gibt es keine zwei verschiedenen Meinungen, keine zwei Wahrheiten, keine Diskussion! Homöopathie wirkt, mit Ausnahme des Placebo Effekts, nicht und ist reine Geldmacherei!

Zum Abschluss noch ein Zitat von Richard Dawkins:

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