Mon dieu, monsieur Depardieu!

Foto: ddp
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In den vergangenen Tagen geht es durch alle Nachrichten: Gérard Depardieu wird Russe. Er tut dies in aller Öffentlichkeit und maximaler Medienwirksamkeit und brüskiert damit die Grande Nation – und auch mich. In erster Linie interessiere ich mich nicht für die Person Depardieu. Ich mag seine Filme nicht besonders und ihn als Person schon gar nicht. Zu oft schon ist er durch diverse Fehltritte negativ in Erscheinung getreten und ich habe das sichere Gefühl er ist ein unangenehmer Mensch – ohne ihn jemals kennengelernt zu haben. Dieses Gefühl bestätigt sich mit den ganzen Schlagzeilen um Depardieus Abschied aus Frankreich.

Der Obelix Darsteller möchte damit gegen die sogenannte „Reichensteuer“ protestieren. Einer Steuer die bei gut verdienenden Personen einen Steuersatz von 75% ansetzt. Gut verdienend ist man ab einem Jahreseinkommen von 1.000.000€ Netto. Nun wird aber nicht das komplette Einkommen mit 75% besteuert wie man es vielleicht meinen könnte sondern nur alles das man ÜBER 1Mio Euro im Jahr verdient. Verdient man also 1,25Mio Euro bezahlt man auf die Viertelmillion Euro den Höchststeuersatz. So viel zur Richtigstellung des eigentlichen Vorhabens.

Zur Situation in Frankreich muss man ebenfalls sagen, dass das Land in großen Schwierigkeiten steckt. Hohe Kriminalität in den Pariser Vororten gepaart mit hoher Arbeitslosigkeit. Frankreich steckt in einem Umbruch und der kostet Geld. Wie überall klafft auch in dem Paris-zentrischen Staat die Schere zwischen Reich und Arm immer weiter auf. In vielen Ländern gibt es Überlegungen wie man diese Schere etwas weiter schließen könnte. Neben den armen mehr Geld zukommen zu lassen bedeutet dies aber auch, den Reichen etwas weg zu nehmen.

Wieso sind die reichen reich? Meist entstehen solche großen Vermögen nicht durch reine Handarbeit. Niemand kann behaupten, dass ein Depardieu härter für sein Geld gearbeitet hat als ein Fabrikarbeiter der tagtäglich harte gute Arbeit verrichtet. Niemand kann im ernst behaupten ein Bankangestellter oder Spekulant arbeitet härter. Um es klar zu stellen: Ich bin nicht neidisch auf solche Personen – viele davon haben für ihr Geld hart und lange gearbeitet, Chancen genutzt oder sind hohe Risiken eingegangen. Sie verdienen das was sie verdienen – meistens jedenfalls. Was ich damit jedoch sagen möchte ist, dass viele dieser Personen nur in der Lage sind das zu „verdienen“ weil die nicht so wohlhabende Bevölkerung dafür arbeitet oder mit hilft. Im Beispiel Depardieu sind das die vielen Kinogänger die die Eintrittspreise und damit sein Gehalt bezahlen. Im Falle des Bankangestellten ist es jeder der bei dieser Bank sein hart verdientes Geld auf ein Konto einzahlt.

Ist es also nicht so, dass diese Personen dem Land dem sie ihren Wohlstand zu verdanken haben irgendwas schuldig sind? Meiner Meinung nach schon! Meiner Meinung nach ist es ihre Pflicht auch etwas zurück zu geben. Dem Land das sie großgezogen und auch groß gemacht hat. Dessen Infrastruktur sie genutzt haben und noch nutzen. Depardieus Filme wurden teilweise gefördert – auch das Steuergelder von jedermann. Und nun stellt sich der knubbelige, verschrobene Mann hin und singt Lobeshymnen auf Russland – es sei „eine große Demokratie“. Eine Aussage für die er wohl Geld bekommt das nur mit 13% (dem russischen Steuersatz) besteuert werden wird.

Natürlich ist Steuerflucht beliebt unter wohlhabenden Menschen. Ob Sportler, Filmstar oder ehemaliger Uncle Sam Gründer, alle ziehen sie in Steueroasen. Ich heiße das bei niemandem gut denn alle haben sie mehr als sie zum Leben brauchen – zum Teil mehr als die ausgeben können. Und mit Steuertricks kann man in jedem Land steuern sparen. Dennoch tut es niemand so Vaterlandsverräterisch wie Gérard Depardieu dieser Tage: in aller Öffentlichkeit und mit Häme für Frankreich. Er lässt sich instrumentalisieren durch Putin – ein Mann der mit Demokratie so viel zu tun hat wie ein Schwein mit dem Fliegen. Aber in Russland kann der unangenehme französische Schauspieler auch gleich bleiben, denn ich habe für mich beschlossen seine Werke in Zukunft zu meiden. Sollen sie doch dafür Pussy Riot an Frankreich geben? Wäre ein guter Tausch!

Non, non, monsieur Depardieu!

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