Streit um Apples Kartendienst

Mich nervt die derzeitige Berichterstattung über Apples neuen Kartendienst unter iOS6. Wie in vielen Medien zu lesen soll es hier zu einigen Fehlern bei der Navigation, Kartendarstellung oder Ortungsgenauigkeit kommen. Die Medien kriegen sich schlichtweg nicht ein und reden von einer „Blamage“ von Apple und deren neuem Betriebssystem. Das alles ist leicht gesagt, aber was steckt hinter dem Wechsel? Welche Alternativen hat der Nutzer und ist der Kartendienst wirklich so schlecht? Ich habe mir das mal angeschaut…

Zunächst sei gesagt: Ja, es gibt die Fehler im Kartenmaterial von Apple. Dieses haben sie von TomTom erworben – diese streiten jedoch die Verantwortung für das fehlerhafte Material ab. Sie verkaufen diese Daten auch noch an andere Hersteller und da würde es solche Fehler nicht geben. Einer der Käufer ist – als nettes Beiwerk – Apple’s Rivale: Samsung.

Das dies zu 100% stimmt, kann ich mir nicht vorstellen. Schlechte Luftaufnahmen kann man einfach nicht bei Apple vermurkst haben – diese müssen vom Produzenten gekommen sein. Einige Fehler scheinen sich aber in Cupertino eingeschlichen zu haben. So viel zunächst einmal zur Sachlage.

Dann sollte man fairerweise aber dazu sagen, dass der in 2005 gestartete Google Maps Dienst hatte und hat auch einiges an Fehler. Ganze Internetseiten ranken sich darum. Hierüber wird aber weitaus weniger Wind gemacht als über die Fehler in Apples Kartendienst. Klar, Google war der Pionier und die Karten sind auch bedeutend besser geworden. Tolle Funktionen erweitern den Dienst.

Hier sind wir aber schon voll in der Diskussion wieso Apple von Google weg MUSSTE. Sicherlich gibt Apple nicht freiwillig Millionen aus um von Google weg zu kommen. Das hatte handfeste Gründe:

Google als Konkurrent

Der wichtigste Grund ist, dass Google der Lieferant von Apples Konkurrenzprodukt Nummer 1 ist: Das mobile Android Betriebssystem. Dieses wird mittlerweile auf jedem zweiten verkauften Smartphone kostenlos mitgeliefert. Nicht zuletzt sieht hier Apple auch einige seiner Patente verletzt. Den Kampf gegen Google hat bereits Apple-Gründer Steve Jobs begonnen mit der Aussage „Wenn es sein muss, werde ich meinen letzten Atemzug dafür verwenden und jeden Penny von Apples 40 Milliarden Dollar bei der Bank, um dieses Unrecht zu korrigieren. Ich werde Android vernichten“ – ausführen muss es nach dem Tod des Apple-Guru nun Geschäftsführer Tim Cook.

Fehlende Funktionen unter iOS

Ein weiterer Grund: Google ermöglicht der Maps App auf Android mehr Funktionen als auf Apple’s iOS. So implementierte man erst vor Kurzem erst die Anzeige der Verkehrsdichte. Auf Funktionen wie Turn-by-Turn Navigation, 3D Karten oder Streetview musste man bis zum Schluss verzichten. Nicht weil Apple nicht wollte sondern weil Google offensichtlich seiner Android Plattform hier einen Vorteil verschaffen wollte – hier geht all dies.

Wissen ist Macht

Nicht zuletzt dürfte es aber auch eine Rolle gespielt haben, dass Wissen Macht ist. Ortungsdienste – also das Wissen über den Standort der Nutzer – ist eine große Wissens-, Macht-, und Geldquelle die man nicht so einfach der Konkurrenz überlassen möchte.

Last but not least ist Apple dafür bekannt möglichst das ganze Benutzererlebnis aus einer Hand liefern zu wollen.

Meine Erfahrungen

Meine ersten Erfahrungen mit dem Kartendienst sind durchweg positiv. Sicherlich kann man Negativbeispiele finden. Wolken über Luftbildern, ungenaue Ortsangaben etc. In meinem bisherigen Alltag hat das aber kaum eine Rolle gespielt. Das Kartenmaterial sieht gut aus – die Luftbilder der Umgebung sind klar und von vergleichbarer Qualität zu denen von Google. Maps bietet nun eine Turn-by-Turn Navigation die mich auf den ersten Blick sehr faszinierte. Die Qualität finde ich gut. Auch die 3D Karten, wenn auch sie noch nicht überall verfügbar sind, sehen stark aus. Alles in Allem ein gelungener Launch einer sehr komplizierten Infrastruktur.

Apple wird aufholen

Der Kartendienst wird nicht auf dem Telefon gehostet sondern aus dem Internet geladen. Die Verbesserung des Dienstes ist als verhältnismäßig einfach – und alle Nutzer profitieren davon. Das gibt Apple die Möglichkeit den Maps Dienst sehr einfach und auch schnell zu verbessern – und dies wird passieren. Apple kann sich diese negative PR und (vor Allem) den Rückstand auf Google Maps nicht leisten. Von daher sollte man iOS nicht verteufeln wegen der anfänglichen Fehler. Zumal ein solch großer Maps-Dienst einer der komplexesten Dinge ist, was man so auf die Beine stellen kann. Milliarden von Ortsdaten, Bildern und Koordinaten müssen verarbeitet werden. Damit dies gemacht werden kann, wird dies automatisiert und dies bringt Fehler mit sich.

Hat man Alternativen?

Natürlich hat man die. Zum Einen kann man Google Earth auf iPhone oder iPad nutzen, zum Anderen kann man Google Maps nahezu ohne Einschränkungen zur vorherigen App im Internet nutzen. Erstellt man sich einen Shortcut auf den Homebildschirm ist das Nutzererlebnis nahezu identisch. So kann man iOS6 nutzen und trotzdem, sollte man in seiner Umgebung auf Probleme mit Apple’s Kartendienst stoßen, gute Karten nutzen. Außerdem sei in diesem Zusammenhang Openstreetmap wärmstens empfohlen. Hier für gibt es mehrere Apps im Appstore. Openstreetmap ist ein freier Kartendienst der, wie Wikipedia, durch jeden Nutzer verbessert und erweitert werden kann.

Alternativen gibt es also, trotz iOS6 reichlich – also kein Grund auf das, wie ich finde, tolle Update zu verzichten. Und jetzt sollten alle wieder runterkommen und sich beruhigen.

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2 thoughts on “Streit um Apples Kartendienst

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