Streit um Mohammed Video

Mohammed Video und Koran-Verbrennungen auf der einen Seite. Flaggenverbrennungen und gewaltsame Demonstrationen auf der anderen Seite. Derzeit überschlägt sich die Berichterstattung über solche Geschehnisse.

Was erfordert es solche Probleme zu lösen und was damit solche Dinge erst gar nicht hochkochen können. Wer sind die Urheber dieses Streits und wie sollte man damit umgehen? Mit diesem Thema wage ich mich an ein – zumindest im Moment – sehr heikles und scharf diskutiertes Thema ganz bewusst heran. Nicht nur um dir vielleicht ein paar neue Gedanken zu geben sondern auch um meine selbigen etwas zu sortieren.

Wie es in der heutigen Gesellschaft so ist, liest und sieht man viel in den Nachrichten. Vieles plätschert so vorbei. Gewaltsame Demos hier, dort wieder ein Selbstmordattentat, anderswo Hungersnöte oder Bürgerkriege. Die Negativnachrichten reißen nicht ab und man hat sich dagegen einen dicken Panzer zugelegt um sich nicht zu viel Gedanken zu machen. Wie auch bei all dieser Masse an schrecklichen Nachrichten. So ging es mir auch in Bezug auf das aktuell diskutierte Mohammed Video. Zumindest war dies so, bis ich vergangene Woche in einer Vorstellung von Volker Pispers war. Dieser riss das Thema zwar nur kurz an, es prägte sich dennoch bei mir ein da es sich fügte mit meinem aktuell vorbeigeplätscherten Halbnachrichtenwissen.

Fragen wie:“Sollte man die Veröffentlichung des Videos hier verbieten?“, „Sind die Demonstrationen berechtigt?“, „Wer hat das Video gemacht?“, „Wieso demonstrieren überall auf der Welt Leute dagegen?“ und „Wie ist das Thema so groß geworden?“ schwirren in meinem Kopf.

Woher kommt das Video und wer verbreitet es?

Das Video mit dem Titel „Die Unschuld der Muslime“, wurde mutmaßlich von Nakoula Basseley Nakoula produziert. Der in Californien lebende ägyptische Kopte produzierte den Film offenbar zum Teil vor seiner eigenen Haustür. Nakoula Basseley stand unter Verdacht des Drogenhandels und saß 21 Monate wegen Bankenbetrugs in einer Haftanstalt. Nach seinem staatlich bezahlten Urlaub startete die Produktion des Videos. Die Filmfirma hinter dem Video war offenbar Media for Christ, die auch das Sateliten-TV Programm „The Way TV“ produzieren. Weitere Nachforschungen haben ergeben, dass der Regisseur Alan Roberts war – der vorher sein Geld mit Softpornos verdiente.

Über verschiedene Blogs und dem Hassprediger Terry Jones verbreitete sich das Video dann erstmalig im Internet.

Wenn man es sich also genau ansieht ist es der allerletzte Bodensatz der westlichen Gesellschaft die diesen Film produziert haben. Aber wie konnte sich ein Video derart schnell und vor Allem großflächig um die Welt verbreiten? Eigentlich doch etwas dem man in aller Regel keine Beachtung schenken darf und auch nicht sollte. Florian Guckelsberger nennt dies in seinem Artikel in „The European“ als „Die Hass-Industrie“ und beschreibt sie folgendermaßen:

Die wichtigste Ressource für die global agierende Hass-Industrie ist Extremismus, zumeist religiöser, und der findet sich in jeder Ecke der Welt. Jeder Anfang braucht einen Aufreger, gewissermaßen den Kern des Produkts und sein „unique selling point“. Hier ist Kreativität gefragt: Eine niedergebrannte Kirche oder die Darstellung des Propheten als gewalttätigen und sexistischen Nichtsnutz haben sich als probate Mittel bewährt. Wie jede andere Industrie hat auch die Hass-Industrie ihre Shooting-Stars (etwa al-Qaida) und bietet Fortbildungen an (etwa Terrorcamps in Pakistan und Jemen). Wer gute Ideen hat, wird von den Multiplikatoren der Branche entdeckt (etwa ein Terry Jones in den USA) und darf sich in Folge dessen nicht nur über Aufmerksamkeit, sondern auch über das Geld finanzmächtiger Inkubatoren freuen (etwa von Scheichs aus den Golfstaaten). Erlaubt ist, was Hass sät.

Wer also profitiert von diesem Hass-Produkt? Zunächst einmal die Medien selbst – sie haben wieder einen „Skandal“ ausgegraben. Des Weiteren sind es in allererster Linie die radikalen Organisationen in beiden Lagern – dem der Christen und dem der Moslems. Sie bauen sich wieder einen Feind auf. Gleichzeitig sind die gewaltsamen Massendemonstrationen ein gefundenes Fressen für Israel, die ihre Angst bestätigt sieht und auf einen Angriff auf Iran’s Atomanlagen drängt. Außerdem ist in einigen Monaten in den USA Präsidentschaftswahl. Die Republikaner definieren sich schon lange über Angst und was käme hier besser gelegen als die Angst vor den Moslems neue Nahrung zu geben? So spielen all diese Akteure eine wesentlich größere Rolle als jene die Urheber dieses schändlichen Videos sind!

Wenn es knallt, laufen Hunde davon und Journalisten hin. (Quelle: The European)

Das Video ist also Produkt von Irren und wurde instrumentalisiert. Das funktioniert nur deswegen weil im Westen eine ungeheure Naivität und Abschätzigkeit gegenüber den Moslems herrscht und auf der anderen Seite ein übersteigerter Hass auf fremde Religionen.

Sollte man die Vorführung verbieten?

Aber sollte man im Westen gleich so weit gehen die Vorführung des Videos generell gesetzlich zu verbieten? Meine klare Meinung: Nein! Man darf die Vorführung eines solchen Videos nicht verbieten, wäre dies doch ein großer Einschnitt in die Redefreiheit. Vielmehr sollte man prüfen ob das Video gegen die Religionsfreiheit und der freien Menschenwürde verstößt – also gegen Grundrechte. Vielleicht finden Anwälte weitere Gründe ein solches Video zu verbieten – ich bin da kein Rechtsexperte. Ein pauschales Verbot halte ich jedoch für falsch. Wir leben in einem Rechtsstaat und diesen sollte und darf man deswegen nicht gefährden.

Das bedeutet aber nicht, dass ich es gut finden würde, wenn das Video aufgeführt werden würde. Meiner Meinung nach sollte jeder sein Hirn einschalten und so viel Respekt vor anderen Religionen haben eine Aufführung oder weitere Verbreitung des Videos sein zu lassen. Es verstößt gegen Grundsätze des Muslimischen Glaubens und diese sollte man mit Respekt behandeln und nicht mit Füßen treten.

Sind die Proteste berechtigt?

Ob die Proteste berechtigt sind? Meiner Meinung nach nicht. Natürlich darf man sich über die Existenz eines solchen Videos beschweren. Natürlich wird in diesem Video der Islam mit Füßen getreten. Aber: Das Video stammt von einer Gruppe von Menschen die einfach keine Beachtung verdient. Überall sonst hätte man dies auch so gehandhabt – die Medien haben dieses Video zu dem aufgebaut was es ist: Ein Instrument der Wut und damit der Macht.

Ebenfalls sollte man vorsichtig mit Aussagen sein, dass alle Muslime auf die Straße gehen. Aktuell gibt es 1,2 Milliarden Muslime wovon nur ca. 100.000 an Protesten beteiligt haben! Es beteiligen sich also weniger als 0,01% aller Muslime  an den Protesten – der Großteil davon friedlich. Auch hier sind es wieder nur wenige Prozent der Demonstranten die Fahnen verbrennen und Botschaften stürmen.

Der Weg die Probleme zu lösen?

Der Weg ist recht einfach und schnell: Man muss das Video in der Bedeutungslosigkeit verschwinden lassen aus der es kam und auch hingehört. Gewalt darf keine Gegengewalt verursachen und auf politischer Ebene sollte man sich dadurch nicht beirren oder beeinflussen lassen. Jeder der dieses Video in irgendeiner Weise für seine Zwecke benutzt, macht sich mitschuldig an den Krawallen.

Auf beiden Seiten sollte man sich mit Respekt begegnen und Irre Spinner, irre Spinner sein lassen. Diese gibt es auf beiden Seiten … auf der Westlichen wie auch der Östlichen.

Quellen:
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2 thoughts on “Streit um Mohammed Video

  1. Stimme voll & ganz zu. Das Filmchen zu verbieten wäre ein grober Fehler und ein Schritt in die falsche Richtung. Wer hätte sich für diesen Müll interessiert, wenn nicht plötzlich westliche Botschaften gebrannt hätten? Niemand.
    Ich bin auch nicht für eine Aufführung oder sonst eine Art von „Werbung“ für den Mist. Aber ist die Meinungsfreiheit nicht tatsächlich eines der höchsten Güter?

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